Forstamt Neu Pudagla

Das historische Forstgebäude und seine Umgebung

Um näher an den preußischen Staatsforsten zu sein, wurde 1848/49 ein neues Forstamtsgebäude am Herrenweg, der damaligen Hauptverbindung zwischen dem alten Verwaltungszentrum Pudagla und Ückeritz, errichtet. In Anlehnung an den bisherigen Amtssitz wurde dieser als Neu Pudagla bezeichnet. Das historische Gebäudeensemble, bestehend aus dem Amtsgebäude, einem Stall, einer Scheune und einem Backstubengebäude ist bis heute weitgehend erhalten geblieben. Von der Bundesstraße aus gelangt man über eine alte Kopfsteinpflasterstraße, die von einer malerischen Baumallee besäumt wird, zum Forstamt. Während der Bombenangriffe auf die Heeresversuchsanstalt Peenemünde arbeitete hier u.a. Dr. Helmut Hölzer, der Erfinder des elektronischen Analog-Computers und spätere Direktor im NASA-Raumflugzentrum in Huntsville, Alabama (USA). Mit der Inschrift Forschen Einzelner verändert das Leben Aller erinnert ein Gedenkstein an das Wirken des genialen Wissenschaftlers. Direkt am Forstamtshof beginnend, führt ein ca. 1,5 km langer Kinderreitweg in einem abwechslungsreichen Rundkurs durch den umliegenden Wald. Wanderwege führen zum ehemaligen Holzhafen Stagnieß, heute ein Sportboothafen, und zum Wockninsee, ein aus einer Meeresbucht entstandener versüßter und zum Teil verlandeter Strandsee. 1967 wurde der See mit den umgebenden Moorflächen und den Resten eines Hudewaldes als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Hier erfolgte auch vor etwa 10 Jahren der letzte Nachweis der Sumpfschildkröte auf Usedom. Empfehlenswert sind auch Ausflüge zum Streckelsberg und zum Golm. Der Streckelsberg ist ein am Seebad Koserow gelegener Höhenzug mit einer 55 m hohen Kliffkante. Ein Aussichtsplattform ermöglicht einen Blick auf die benachbarten Inseln. Das Kliff ist seeseitig durch eine 530 m langen Brandungsmauer geschützt. 1818/19 veranlasste der damalige Oberförster Schrödter, die bis dahin wirtschaftlich nicht genutzte Düne durch die Pflanzung von Waldkiefern und Rotbuchen zu befestigen.Ein Gedenkstein erinnert noch heute an die Bewaldung des Berges. Als Folge dieser Aufforstung stellte sich eine interessante Flora mit Leberblümchen, Einbeere, Maiglöckchen und seltenen Orchideenarten ein und führten 1961 zur Ausweisung als Naturschutzgebiet. Der nun schon über 180 jährige Buchenbestand zählt mit einer Höhe von etwa 40 m zu den höchsten Baumbeständen der Insel Usedom. Der Golm, ist mit 69 m der höchste Berg der Insel. Inmitten eines über 100 jährigen Buchenbestandes befindet sich ein Kriegsgräberfeld mit Gedenkstätte. Hier liegen die 23.000 Opfer des Bombenabwurfs auf Swinemünde von 1945 begraben. Von der langen Besiedlungsgeschichte dieses Höhenzuges zeugen auch die Reste einer bronzezeitlichen Burgwallanlage. Die im Norden und Osten bis auf wenige Meter über NN steil abfallenden Hänge gehören zu einem fossilen Kliff und markieren den höchsten Stand der Ostsee in der nacheiszeitlichen Entwicklung. Das Kliff, mit seinen subarktischen Florenelementen, ist Totalreservat und steht seit 1967 unter Naturschutz. Von hier aus bietet sich auch ein fantastischer Blick auf die Stadt Swinemünde, ihrem Hafen und die Ostsee.

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updated: 02.05.2007