Qualitätssprung
Es gibt keinen Gewinn ohne Verlust und keinen Verlust ohne Gewinn ? man
muss beides nur erkennen können, zu nutzen wissen. Und so, wie eine
Schnapsidee zur Geburt unserer Bläsergruppe führte, so war die letzte
große Ansitzjagd der Jagdgesellschaft Bansin vor deren Auflösung 1992
auch ein musikalischer Neubeginn. Wir lernten Bettina und Hubertus von
Rochow kennen und konnten fortan unter sachkundiger Anleitung unser
Können weiterentwickeln. Bettina kitzelte versteckte Talente aus uns
heraus und weckte die Lust, sich mit anderen zu messen. So wurde der
erste Landeswettbewerb im Jagdhornblasen des Landesjagdverbandes
Mecklenburg-Vorpommern in Hagenow ein voller Erfolg ? wir landeten von
27 Gruppen auf dem 4. Platz. Frank Daher stellte unsere Gruppe
anekdotendurchwoben vor, Bettina hatte uns getrimmt, die Fermate des
Hallali mit 7 Schlägen und ohne Abrutscher und Kiekser durchzuhalten,
und das übrige Fußvolk glaubte an sich.
Nun gab es kein Halten mehr: Wir hatten die Quittung für unsere Arbeit
bekommen. Wir befanden uns auf dem richtigen Weg und wir waren
ehrgeizig. Natürlich vergaßen wir nicht, neben den sicherlich
bedeutsamen Wettbewerben auch weiterhin das Jagdliche Brauchtum zu
pflegen und öffentliche Veranstaltungen wie die beliebten Jägerbälle,
die traditionell im Raum Ahlbeck / Bansin durch Weidgenossen Siegfried
Ramm durchgeführten Brauchbarkeitsprüfungen für Jagdhunde, vom Forstamt
Neu Pudagla und der Kurverwaltung Kaiserbäder organisierte
Waldführungen, Vorträge in den Konzertmuscheln u.ä. oder Einweihungen
sowie Dorffeste, Rentnerfeiern, Schlachtefeste, Ortsjubiläen wie z.B.
die 700-Jahrfeier von Usedom und Weihnachtsmärkte jagdlich-musikalisch,
z.T. schon konzertant, zu begleiten. Wir wurden ein gefragtes
Bindeglied zwischen Menschen, Jagd, Natur, Kulturerlebnis und Tourismus.
Im Laufe der Zeit wuchs unser Verein weiter an: Dirk Nass, Jörg
Martinez, Sven Prabel und Michael Scholz stießen zu uns #? alles Leute,
die im Rahmen ihrer forstlichen Ausbildung irgendwann schon ?mal ein
Jagdhorn in den Händen hatten, es wieder weglegten und wieder
hervorholten und wieder weglegten ... Das Dilemma kennen fast alle
Jagdhornbläser.
Auch echte Neuzugänge wie Jörg Sündermann und Frank Götz mit seinen
beiden Kindern Juliane und Sebastian (ein Herrentagslaune von Sven
Prabel: Eh, sach mal, willste nich bei uns mitmachen?) waren zu
verzeichnen. Und die Arbeit lohnte sich: Der 2. Landeswettbewerb in der
Windmühlenstadt Woldegk brachte den dritten Platz in der gemischten
Gruppe sowie einen ersten und dritten Platz bei den Solisten. Wir
hatten damit auch die Qualifikation für die 1997er Teilnahme am
Bundeswettbewerb in Kranichstein / Darmstadt erworben und spielten mit
dem Gedanken, auch tatsächlich ?mal hinzufahren.
Zeitgleich begannen wir 1996 eine verstärkte Zusammenarbeit mit der
Karlshagener Jägdhornbläsergruppe aus dem Inselnorden unter Leitung von
Sonja Paul zu pflegen, die zu diesem Zeitpunkt auf 23 Jahre engagierte
Jugendarbeit zurückblicken konnte. Man kannte sich von früher, aber
jetzt machten wir aus der Not eine Tugend, denn einige von uns hatten
für sich eine neue Trainingseinheit entdeckt; ein Instrument, welches
jeden Musikliebhaber erschauern lässt ? das Parforcehorn.