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EU-Abgeordnete Elisabeth Schroedter erlebt Grenzregion mit Tiefgang

Es waren zwei intensive Tage auf Usedom für die Europaabgeordnete Elisabeth Schroedter (Bündnis 90/Die Grünen). In vielen Gesprächen verschaffte sie sich einen Eindruck über die Lage an der Grenze, vier Wochen nach dem EU-Beitritt Polens.
Zur Gesprächsrunde am Freitagabend im Heringsdorfer Bahnhof fanden sich zwar weniger Zuhörer ein als erwartet, doch die wurden mit spannenden Redebeiträgen belohnt. Dazu trugen auch wesentlich die Gesprächspartner aus Swinoujscie bei, die allesamt „Grenzgänger“ in Sachen Kultur, Soziales und Journalismus sind.

So konnte die Europaabgeordnete sehr viele Einschätzungen über die Situation und die Zukunftshoffnungen in unserer polnischen Nachbarstadt notieren. Bei Wanda Czech-Borowska von der sozialkulturellen Gesellschaft der deutschen Minderheit flossen die Erfahrungen einer Deutschen ein, die seit über fünfzig Jahren unter Polen in Swinoujscie lebt.

Für das Usedomer Musikfestival koordiniert das Künstlerehepaar Jola Janczykowska und Petr Teichman (Fotografie, Eurythmie) die Veranstaltungen in Swinoujscie. Sie machten deutlich, dass dank des Shuttleservice mittlerweile viele Veranstaltungen auf deutscher Seite von Polen besucht werden.

Michal Barkas vom Kurier Szczecinski wusste zu berichten, dass sich die Stadt in einem Wandlungsprozess befindet. Nach dem Niedergang der maritimen Wirtschaft, insbesondere durch die Schließung der Fischereigenossenschaft Odra, erwartet er eine stärkere Hinwendung zum Tourismus.

Am Samstag machte sich ein kleiner Fahrradtross auf den Weg zur Grenze und zum Golm. Dort berichtete Otto Simon von der Interessengemeinschaft Golm über den ambivalenten Umgang mit den Folgen des Krieges. Am Torfkanal dann eine ganz besondere Grenzerfahrung. Ein älterer Herr aus Dortmund, Kleingartenbesitzer in Wydrzany (Friedrichsthal), rief von polnischer Seite herüber „Wann kommt denn hier endlich eine Brücke?“. Die selbe Frage hatte am Abend zuvor Wanda Czech-Borowska gestellt, denn „viele Swinemünder wollen doch zu ihrem Golm gehen“.

Beide Tage vermittelten die Bedeutung der kleinen Schritte im Zusammenwachsen der beiden Nationen auf Usedom. Sozusagen Europa im Kleinstformat präsentierte sich der Abgeordneten aus Brüssel, die nicht erst jetzt ihr Herz für Usedom entdeckt hat, schließlich lebte sie vor der Wende einige Jahre in Neubrandenburg.


eingereicht von : Dietmar Pühler am 04.06.2004, 10:07 Uhr


 
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