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Theodor Fontane – eine literarische Spurensuche auf Usedom

Heringsdorf. „Wanderer am Ostseestrand – Theodor Fontane und Usedom“, so umschrieb der Berliner Schriftsteller und Literaturhistoriker Werner Liersch seinen Vortrag am vergangenen Sonntagabend im Heringsdorfer Strandhotel. Er gestaltete damit den vierten Historischen Abend des Hauses, der wie alle anderen dieser Reihe unter der Federführung des Friedländer Kulturjournalisten Detlef Stapf stand.

Der „waschechter Berliner mit gutem Draht zu Usedom“, so Stapf über den Germanisten Liersch, hatte für die gut zwei Dutzend Zuhörer vor allem Literaturstellen herausgesucht, die mit Fontanes Kinderjahren in Swinemünde (1827 bis 1832) und seinem späteren Besuch in Heringsdorf (1863) einen deutlichen Bezug zur Insel Usedom hatten.

Als Quellen dafür dienten Fontanes 1894 erschienenes autobiografisches Werk „Meine Kinderjahre“ und der 1998 anlässlich dessen 100. Todesjahres von Werner Liersch herausgegebener Anekdotenband „Ein gewisses Quantum Mumpitz“.

Auch wenn Fontane, der 1819 in Neuruppin geboren wurde, in erster Linie als „Wanderer durch die Mark Brandenburg“ bekannt wurde, hatte auch die Zeit auf Usedom Spuren bei ihm hinterlassen. Als Siebenjähriger kam Theodor mit seinen Eltern nach Swinemünde, wo sein Vater Louis Henry Fontane die Adler-Apotheke übernahm. Die folgenden fünf Kindheitsjahre verbrachte er mit Streifzügen durch die Buchenwälder Swinemündes und Heringsdorfs. In „Meine Kinderjahre“ beschreibt er eindrücklich wie er in der Störtebeker-Kuhle liegt, das Meeresrauschen hört und von großen Abenteuern träumt.

Heute ist das Versteck des Freibeuters, das nur wenige Hundert Meter vom Heringsdorfer Strandhotel entfernt liegt, ein trister Parkplatz, der keinen Raum mehr bietet für Phantastereien und Träume. Dennoch hält es Detlef Stapf für möglich, im Sommer eine Fontane-Tour auf Usedom zu organisieren, wie er es im Frühjahr und Herbst schon mit Lyonel Feininger vorhat.

Swinemünde und Usedom verdanken die literarische Verortung durch Fontanes Depressionen, in die er 1892 verfällt. Während er am Manuskript von „Effi Briest“ sitzt, kommt er in eine Schaffenskrise. Sein Arzt empfiehlt ihm, etwas „Leichtes“ zu Papier zu bringen, etwa seine Kindheitserinnerungen. So reift in ihm der Plan, seine Autobiografie zu schreiben. Letztendlich bleibt diese fragmentarisch. Den Kindheitserinnerungen (1827 bis 1832) folgt in seinem Todesjahr noch die Fortsetzung unter dem Titel „Von Zwanzig bis Dreißig“, die formal mit seiner Hochzeit im Jahre 1850 endet, aber auch Bezug auf spätere Ereignisse nimmt.

Werner Liersch zeigte sich in seinem Vortrag immer wieder von der freien Erziehung des Literaten beeindruckt. Der Vater, ein gutherziger Mensch mit der Neigung zur Spielsucht, und die Mutter, die eher streng war und das Geld zusammenhielt, waren grundverschieden. Sie ließen ihre vier Kinder aber in größtmöglicher Freiheit aufwachsen, unterrichteten sie sogar für eine Weile selbst, da sie mit der Gemeindeschule nicht zufrieden waren. Später bekamen die Kinder Unterricht durch einen Hauslehrer. So urteilte der alte Fontane: „Ich hatte das Glück, ohne Erziehungsmeister heranzuwachsen.“

Der kleine Theodor Fontane wird von Liersch als „wilder Knabe“ beschrieben, der in der Apotheke seines Vaters Schwärmer und Raketen bastelte, die er danach abbrannte. Dazu gibt es die Anekdote, dass der wagemutige Junge einmal von Fischern aus der Ostsee gerettet werden musste, in die er mit seinem Boot hinaustrieb. „Meine Kinderjahre“ gibt aber auch die Lebensverhältnisse im kleinen Städtchen Swinemünde mit damals rund 3.500 Einwohnern wieder. Der kleinen Oberschicht, die aus etwa zwanzig Familien bestand, stand das armselige Leben der Fischer und Kätner gegenüber.


eingereicht von : Dietmar Pühler am 16.04.2008, 09:44 Uhr


 
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