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Die Manns schlossen ihren Frieden auf Usedom
Heringsdorf. Ein bisschen Ruhm fällt für beide Seebäder ab. Heringsdorf hat seinen Heinrich Mann, Ahlbeck die Ehre, dass Bruder Thomas Mann dort 1924 seinen „Zauberberg“ zu Ende schrieb. All das und noch ein bisschen mehr stand im Fokus des Lese- und Gesprächsabends mit dem Heinrich-Mann-Biografen Manfred Flügge (Berlin/Paris) am Samstagabend im Heringsdorfer Strandhotel.
Natürlich ging es um die Hass-Liebe der Mann-Brüder, um deren konträre politische Haltung zum Kaiserreich und deren Versöhnung, nachdem auch der einst kaisertreue Thomas sich entschied, für die Demokratie zu streiten. So soll auf Betreiben von Thomas Frau Katia Mann 1922 ein Treffen in Heringsdorf zu Stande gekommen sein, bei dem der Zwist begraben wurde.
Der Heinrich-Mann-Biograf ließ die mehr als dreißig Zuhörer auch hinter die Kulissen blicken und Anteil nehmen an den Recherchen, die ihn unter anderem nach Italien, Frankreich, Russland und die USA führten, wo Heinrich Mann lebte, urlaubte oder auch nur Kontakte unterhielt. Flügge hatte seine liebe Mühe und Not, denn anders als der jüngere Bruder Thomas Mann, der eifrig Tagebuch führte, fehlt diese Quelle bei Heinrich Mann. So blieben ihm einzig Briefe als Schriftzeugnisse, um das private Leben von Heinrich rekonstruieren zu können.
Flügge betonte, dass er weder in seiner Biografie noch bei seinen Lesungen Partei für irgendeinen der beiden rivalisierenden Brüder ergreife. Unbestritten sei, dass Thomas mehr Erfolg hatte, dafür sei Heinrich moderner gewesen, aber auch arrogant. Für den um vier Jahre jüngeren Thomas war Heinrich „so was wie der Vater“, berichtete Flügge. Ihm eiferte er auch literarisch nach, um nicht zu sagen, er klaute dessen Themen, um sie dann wesentlich erfolgreicher zu veröffentlichen.
Zu den wichtigsten Werken Heinrich Manns zählte der Berliner Schriftsteller den Roman „Professor Unrat“ (1905), der 1930 unter dem Titel „Der blaue Engel“ verfilmt wurde. Für Marlene Dietrich, die darin die fesche Lola spielte, sollte das der Beginn ihrer einzigartigen Karriere sein. Neben diesem Roman zählt „Der Untertan“, eine Abrechnung mit der wilhelminischen Zeit, zu den bedeutendsten Büchern Heinrich Manns. Geschrieben 1914, wurde „Der Untertan“ erst nach dem ersten Weltkrieg veröffentlicht.
Heinrich Mann weilte 1923 in Heringsdorf, um nach dem Tod der Mutter seine Depression auszukurieren. Laut Flügge ist noch nicht gesichert, ob sich Mann nicht auch in den Jahren 1928 bis 1930 im Seebad aufhielt. So wurde der Aufsatz „Berliner Vorort Heringsdorf“, aus dem Flügge eine längere Passage zitierte, im Sommer 1929 veröffentlicht.