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Erinnerung an Carola Stern

Bansin. Anlässlich des zweiten Todestages von Carola Stern am 19. Januar erinnerte am Freitagabend Martin Bartels mit einem Vortrag an die große Journalistin, Publizistin und Mitbegründerin der deutschen Sektion von amnesty international. Den wenigen Zuhörern im Bansiner Hans-Werner-Richter-Haus schilderte Bartels in groben Zügen die Biografie und insbesondere die letzten Lebenswochen der im Westen sehr populären Fernsehjournalistin.

So habe Carola Stern im November 2005 in Berlin noch mit vielen früheren Weggefährten, unter ihnen Johannes Rau und Walter Jens, ihren 80. Geburtstag gefeiert. Am Silvesterabend dann folgte ihr plötzlicher Zusammenbruch, so dass Bartels sie in eine Berliner Klinik brachte. Dort wurde sie am Neujahrstag in ein künstliches Koma versetzt, aus dem sie nicht mehr aufwachen sollte. Am 17. Februar 2006 wurde Carola Sterns Urne von Pastor Bartels auf dem Benzer Friedhof an der Seite ihres Mannes Heinz Zöger beigesetzt.

Carola Stern, die am 14. November 1925 in Ahlbeck als Erika Assmus geboren wurde, sei wegen ihrer Mitgliedschaft im Bund deutscher Mädel und ihrer Agententätigkeit für die USA in der noch jungen DDR in ihrer Heimat nicht sonderlich beliebt gewesen, schildert Bartels.

Darunter hätte die streitbare Frau in ihren letzten Jahren schon etwas gelitten, wenngleich sie auch eigene Fehler eingeräumt habe. So sei sie nach der Wende zu forsch mit ihren Landsleuten umgegangen, insbesondere im Bundestags-Wahlkampf 1990, als sie vehement Partei für die SPD ergriffen hatte.

Bartels galt als engster Vertrauter von Carola Stern auf Usedom, wohin sie erst nach der Wende wieder reisen konnte. Seine erste Begegnung mit der Schriftstellerin und ihrem Ehemann Heinz Zöger geht so auch in das Jahr 1990 zurück, als der damalige Benzer Pastor die beiden in ihrem Kölner Wohnhaus besuchte. Er blieb die Kontaktperson auf Sterns Heimatinsel über die Jahre hinweg. Später zogen Stern und Zöger nach Berlin, während sie sich in Balm auf Usedom ein Sommerhaus bauen ließen.

Hier entstanden viele von Carola Sterns Büchern, wie auch ihr letztes, die Doppelbiografie des Verlegers Friedrich Cohn und der Schriftstellerin Clara Viebig, die 2006 posthum unter dem Titel „Kommen Sie, Cohn!“ erschien. Bartels schätzt, dass die komplette Bibliografie von Carola Stern mittlerweile die Millionen-Auflage überschritten hat.

Besonders glücklich zeigte sich Martin Bartels über den Umstand, dass das publizistische Erbe von Carola Stern sowie einige persönliche Gegenstände wie Schreibtisch und Schreibmaschine, aber auch Zeitdokumente und Erinnerungsstücke im Hans-Werner-Richter-Haus eine dauerhafte Bleibe gefunden haben. Schließlich weisen auch die Biografien der beiden auf Usedom geborenen Schriftsteller erstaunliche Parallelen auf. Beide emigrierten in den Westen, machten in der BRD Karriere und schlossen im Alter Frieden mit ihrer Heimatinsel. Zudem waren sowohl Richter als auch Stern mit den Literaturnobelpreisträgern Heinrich Böll und Günter Grass gut befreundet.


eingereicht von : Dietmar Pühler am 21.01.2008, 11:43 Uhr


 
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