News

Kamminke als Krimi-Tatort in „Blutsünde“ verewigt

 

Kamminke. „Kamminke machte den harmonischen Eindruck eines verschlafenen Fischerdörfchens. Ein Seeadler kreiste am Himmel…“. So beschrieb die Krimi-Autorin Henrike Heiland am Donnerstagabend bei ihrer Lesung in der Jugendbegegnungsstätte Golm die Szenerie, als der Rostocker Kommissar Erik Kemper in das Haffdorf kommt, um die Ermittlungen der Anklamer Kripo in einem Mordfall zu unterstützen. Kemper ist die Hauptfigur in Heilands Rostock-Krimi-Reihe, die jetzt mit dem auf Usedom angesiedelten Krimi „Blutsünde“ fortgesetzt wurde.

Die in Berlin lebende Autorin kehrte mit ihrer Lesung also an den Handlungsort zurück, den sie ein Jahr zuvor für ihre Recherchen besucht hatte. Die rund 30 Zuhörer in Kamminke erfuhren, wie mit viel Liebe zum Detail die Umgebung des Tatortes am Haff beschrieben wird.

„Ich persönlich wollte halt mal hierher. Also habe ich meine Figuren mitgebracht“, erklärte die aus Gießen stammende Henrike Heiland. Den Krimi aus ihrer Rostock-Reihe auf Usedom handeln zu lassen bedurfte eines Kunstgriffs. Denn eigentlich hat die Rostocker Kripo hier nichts zu suchen. Folglich musste ein Polizist aus der Warnowstadt dran glauben, damit sich Kemper in die Ermittlungen einschalten konnte.

Der Krimi ist aus mehreren Handlungssträngen aufgebaut. Heiland beginnt im Jahre 1936 in Königsberg, wo sie die Geschichte des jüdischen Mädchens Hannah und ihres Freundes Ernst erzählt, die durch die Flucht getrennt werden. In Zehnjahresschritten blendet die Autorin immer wieder Hannahs Lebenslauf ein. Zwischendrin, immer angesiedelt im Jahr 2006, passieren ein Anschlag in Kamminke mit zwei Toten, ein mysteriöser Mord in Rostock, ein Selbstmord beim Polizeiverhör. Was anfangs noch ohne Zusammenhang scheint, bekommt nach und nach mehr Kontur und läuft in einem großen Finale zusammen.

Die 32-jährige Berlinerin hatte bei ihrer Recherche auch den Leiter der Anklamer Kripoinspektion Thomas Krense konsultiert, um „Detailfragen technischer Art“ zu klären. Krense kam mit seiner Frau extra aus Greifswald zur Lesung nach Kamminke. Sein Urteil dürfte die Autorin freuen, denn Krense findet den Krimi „sehr spannend von der ersten bis zur letzten Seite.“ Er wirke weder überkonstruiert noch abwegig. Zudem sei er toll recherchiert. Freuen konnte sich auch die Strandbuchhandlung Ahlbeck. Gut dreißig handsignierte Exemplare des Regionalkrimis fanden ihre Abnehmer. So was nennt man wohl einen Bestseller.

Für den Leiter der Jugendbegegnungsstätte Golm, Dr. Nils Köhler, bietet der Krimi einen interessanten Anknüpfungspunkt für seine Arbeit. Etwa hinsichtlich des darin beschriebenen Rechtsextremismus oder innerfamiliärer Konflikte um Schuld und Verdrängung. Zudem bänden historische Rückblenden die Kriegsgräberstätte Golm und den Luftangriff auf Swinemünde geschickt mit ein. Für Köhler soll die Lesung mit Henrike Heiland ein Auftakt gewesen sein für künftig regelmäßig stattfindende Literaturabende. Dann wird auch das Gasthaus Haffblick wieder mit von der Partie sein, das sich mit Schnittchen und Getränken dafür bedankte, im Krimi erwähnt worden zu sein.


eingereicht von : Dietmar Pühler am 07.10.2007, 20:26 Uhr


 
Nur angemeldete Benutzer dürfen Kommentare verfassen. Zur Registrierung/Anmeldung