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Villa Irmgard zeigt zwei Ausstellungen zu Edvard Grieg
Heringsdorf. „Edvard Grieg hat Norwegen auf die musikalische Landkarte gebracht.“ Mehr musste Prof. Dr. Patrick Dinslage von der Universität der Künste Berlin nicht sagen, um die Bedeutung des Komponisten für dessen Heimatland herauszustreichen. Der Präsident der Internationalen Edvard-Grieg-Gesellschaft führte in Anwesenheit von Georg Friedrich Prinz von Preußen und Tønnes H. Gundersen vom Grieg-Museum Troldhaugen in die Ausstellungen „Kunst und Identität“ sowie „Diminuendo“ ein, die bis zum 13. Oktober in der Heringsdorfer Villa Irmgard gezeigt werden.
Dinslage brachte Grieg anhand einiger ausgewählter Werke näher, die für den Komponisten charakteristisch sind. Dazu erhielt der Dozent Unterstützung von seiner Frau Heide Görtz, die beispielhaft Werke am Klavier zu Gehör brachte. So spielte die Musikprofessorin sechs der insgesamt 66 lyrischen Stücke, die laut Dinslage als Griegs musikalisches Testament anzusehen sind. „Da hat er formuliert, was ihn sein Leben lang bewegt hat, die Natur, die Landschaft und die Liebe zu seiner norwegischen Heimat“, so der Musikwissenschaftler. Des Weiteren stellte das Berliner Musikerpaar die Suite „Aus Holbergs Zeit“ und zwei Beispiele von Griegs siebzehn „Norwegischen Bauerntänzen“ vor, die als dessen wichtigstes Alternswerk gelten.
Grieg, der mit 15 Jahren seine musikalische Grundausbildung in Leipzig absolvierte, wollte sich nach seiner Rückkehr in die Heimat von den großen deutschen Komponisten abheben, indem er seine eigene Handschrift entwickelte: „Da war unser norwegisches Volkslied, das mir die Wege gab.“ So darf es auch nicht verwundern, dass die volkstümliche Hardangergeige, die sich durch vier zusätzliche Resonanzsaiten auszeichnet, Eingang in Griegs Musik fand.
Wie Dinslage das rund 70 Personen starke Auditorium wissen ließ, baute sich das Ehepaar Edvard und Nina Grieg 1885 in der Nähe von Bergen ein Haus, in dem die beiden bis zum Tod Edvard Griegs am 4. September 1907 gemeinsam lebten. Der Name Troldhaugen (Trollhügel) stammt von Nina Grieg, von der ihr Mann sagte, dass sie die beste Interpretin seiner Lieder sei.
Heute beherbergt das Haus das Grieg-Museum, das die Ausstellungen konzipierte, die nun in der Villa Irmgard zu sehen sind. Neben vielen Text- und Fotodokumenten zeichnet sich die Exposition „Kunst und Identität“ durch originale Tondokumente Griegs aus. 1906 hatte der Künstler in Leipzig einige seiner Werke auf dem Welte-Mignon-Reproduktionsklavier aufgezeichnet. Die Sonderausstellung „Diminduendo“ (musikalische Bezeichnung für „allmählich leiser werdend“) befasst sich mit den letzten Lebenswochen Griegs, die durch unveröffentlichte Bilder, Notizen und Tagebucheintragungen nachempfunden wurden.