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Der Wolf und sein Hirte in der Benzer Kirche
Der winkte bescheiden ab und sang zum Einstieg den Blues „Mich wundert“. Das Lied, nein vielmehr das Gedicht, beginnt autobiographisch mit „Ich floh aus einer brennenden Stadt“ (Hamburg) und endet mit „Ich gehe und weiß nicht wohin. Ich komme und weiß nicht woher. Mich wundert, dass ich so fröhlich bin.“ Damit ist er mitten im Programm, das sich sehr persönlich mit der Suche nach seiner Heimat befasst.
Biermann selbst bezeichnet sich als „so´n Heimatloser“, um dann doch noch ein paar Heimaten aufzuzählen. Natürlich zählt seine Geburtsstadt Hamburg dazu, die DDR, „wo ich rausgeschmissen wurde“ und auch, wer hätte es gedacht: Usedom. Mit dem Eiland verbindet den Kommunisten Biermann nach wie vor die Freundschaft zu den Malern in Ückeritz. „Ohne die hätte ich nicht bestehen können“, blickt er dankbar zurück.
Dann erzählt er die Anekdote, wie er mit Matthias Wegehaupt übers Achterwasser nach Warthe und Lassan „rübergeschippert“ ist, den Sternenhimmel über sich. Dieses Erlebnis inspirierte ihn zum Gedicht „Milchstraße“, das zugleich an seinen jüdischen Vater Dagobert („Der Himmel ist nicht weit genug für ihn“) und dessen Schwester („Es war der Stern, den sich Rosi Biermann angeheftet hatte“) erinnerte. Beide überlebten die Nazi-Herrschaft nicht.
Biermann erwies in dem rund zweistündigen Programm aber auch einigen seiner einstigen Weggefährten, wie Robert Havemann oder Jürgen Fuchs, die Ehre. Mit „Pin Parasol“ setzte er zudem Walter Benjamin ein lyrisches Denkmal. Der jüdische Philosoph hatte sich aus Verzweiflung vor den braunen Schergen in Nordspanien das Leben genommen. Scharfzüngig rechnete der 70-Jährige dann mit den ehemaligen Machthabern in der DDR ab, auch wenn er feststellen musste, dass „meine Todfeinde mit einem blauen Auge davon gekommen sind“.
War die Suche nach Heimat der rote Faden in seinen Liedern, Gedichten und Balladen, so ließ Biermann aber auch kaum eine Gelegenheit aus, mit dem Pastor ins Zwiegespräch zu kommen. Der musste sich so manche Spitze gegen die Kirche gefallen lassen, was er angesichts der Gewissheit einer zweitausendjährigen Kirchengeschichte aber mit großer Gelassenheit über sich ergehen ließ. Zum guten Schluss hatte der Poet dann doch ein Einsehen. „Rette Deine Schafe, sprach der Wolf zum Hirten“, richtete er an die Adresse von Arndt Noack. Der überhäufte den großen Erzähler und Liedermacher mit Geschenken, das Publikum mit minutenlangem Applaus.