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Restaurierte Werkbahn bereichert Dauerausstellung im HTI

Insel Usedom. Pünktlich zum Museumsfest am vergangenen Dienstag konnte der Direktor des Historisch-Technischen Informationszentrums Peenemünde, Christian Mühldorfer-Vogt, gemeinsam mit der Schriftstellerin Ruth Kraft das symbolische Band durchtrennen und die in den vergangenen zwei Jahren restaurierte Werkbahn für die Öffentlichkeit freigeben.

Die beiden Waggons, ein Trieb- und ein Steuerwagen, sind eine Dauerleihgabe des DB Museums in Nürnberg. Der ehemalige Werkbahn-Triebwagenzug war noch bis in die 1970er Jahre als Nahverkehrszug in Bayern in Betrieb. Von dort wurde der verrostete Oldtimer, immerhin noch auf den eigenen Rädern, von einer Diesellok durch die ganze Republik bis nach Peenemünde gezogen. Dort kam er im Februar 2004 an. Dreieinhalb Jahre später ist die ehemalige Werkbahn nun Zeitzeuge an seinem Ursprungseinsatzort in Peenemünde.

Gleichzeitig ist er das erste von drei Großexponaten auf dem Außengelände des HTI, das in den kommenden Jahren um die restaurierte Walter-Schleuder, dem Abschusskatapult der V1, und die Bekohlungsanlage des Kraftwerks mit der markanten Kranbahn und dem Schrägaufzug ergänzt werden soll. Für die Restaurierung wird dann, wie schon bei der Werkbahn, der Wolgaster Metallrestaurator Wolfgang Hofmann die fachliche Leitung innehaben.

Hofmann erläuterte bei der Werkbahn-Schaueröffnung, dass es ähnlich wie bei einem denkmalgeschützten Haus schwierig sei, einen Zustand exakt zu einem bestimmten Zeitpunkt wiederherzustellen. So ist an dem Veteran nur das dritte Drehgestell noch original von 1943, das vorderste aus den 1960er Jahren. Von der ursprünglichen Inneneinrichtung, Sitzbänke und Gepäckablagen waren aus kriegsstrategischen Gründen aus einheimischem Holz gefertigt, ist in den beiden Wagen nichts mehr zu sehen. Im Gegenteil, der hintere Waggon zeigt den Zustand aus dem Jahre 1978, als der Triebwagenzug im Dienste der Deutschen Bundesbahn in Bayern stand.

Das Innere des vorderen Zugteils wurde hingegen entkernt und mit schlichten weißen Platten verkleidet. Das so geräumig gewordene Abteil dient nun als Ausstellungsraum, in dem sich drei dreiseitige, bewegliche Infosäulen befinden sowie zwei Monitore, auf denen unter anderem eine brandneue DVD zur Geschichte der Werkbahn zu sehen ist.

Eine stabile Treppe auf der Eingangsseite und eine bahnsteigähnliche Rampe auf der Rückseite ermöglichen die Besichtigung der beiden in der ursprünglichen Lackierung gezeigten Waggons. So war es dem Restaurator möglich, die RAL-Nummern der Originalfarben in Erfahrung zu bringen. Das Rot-Beige des Jahres 1943 wird allerdings bewusst an mehreren Stellen durch so genannte Zeitfenster aus dem Jahre 1978 durchbrochen, die das bröckelnde DB-Rot zeigen und erahnen lassen, wie sehr der Zahn der Zeit an den beiden Wagen genagt hatte.

Die Werkbahn Peenemünde wurde von 1937 bis 1945 betrieben und beförderte täglich zehntausende Mitarbeiter und Zwangsarbeiter auf drei Linien von Zinnowitz über Trassenheide und Karlshagen nach Peenemünde, zum Werk West und zum Versuchsserienwerk.

Das verzweigte Schienennetz im Inselnorden betrug damals 106 Kilometer. 1943 waren rund 72 Kilometer davon elektrifiziert, gleichzeitig wurden die S-Bahnzüge eingeführt. Damit verfügte der Norden der Insel Usedom nach Berlin (1930) und Hamburg (1940) als dritte Region in Deutschland über eine S-Bahn. Nur die Tatsache, dass die Peenemünder Heeresversuchsanstalt seinerzeit das größte Technologiezentrum des Deutschen Reiches darstellte und noch um ein zweites Kraftwerk, eine weitere Sauerstofffabrik und um eine Siedlung für rund 20.000 Einwohner bei Zinnowitz erweitert werden sollte, kann dieses Phänomen erklären. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Taktfolge am Knotenbahnhof Karlshagen-Siedlung zu Spitzenzeiten Großstadtverhältnissen entsprach. Wie bei der Berliner S-Bahn fuhr dort alle fünf Minuten ein Zug ein.

Heute ist nur noch die von der Usedomer Bäderbahn im Stundentakt betriebene Hauptachse von Zinnowitz nach Peenemünde erhalten. Entlang der Strecke sind für das geübte Auge stellenweise noch die Relikte der vergangenen Zeit zu erkennen, beispielsweise die 200 Meter lange Bahnsteigkante des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers Trassenheide. Die Werkbahn Peenemünde verfügte 1943 über sechzehn neue elektrische Triebzüge, von denen nur neun den Bombenhagel vom 17. August 1943 überdauert haben. Über sechzig Jahre später ist einer davon nach Peenemünde zurückgekehrt.



eingereicht von : Dietmar Pühler am 30.07.2007, 12:18 Uhr


 
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