News
Vom Chapeau Rouge breitete sich der Theaterbazillus aus
Heringsdorf. Ein kleines Jubiläum feiert in diesem Jahr das Theaterzelt Chapeau Rouge an der Heringsdorfer Promenade. Das Sommertheater in Sichtweite zur Seebrücke hat seit seiner Premiere im Sommer 1993, damals wurde als erstes „Happy End“ von Dorothy Lane mit Liedern von Brecht/Weill gespielt, etliche illustre Gäste gesehen. So feierte 1995 der großartige Schauspieler Rolf Ludwig mit vielen Kollegen seinen 70. Geburtstag im „Roten Hut“. Ein Jahr zuvor trafen sich dort die EU-Außenminister, um ihr informelles Treffen mit einem Operettenprogramm ausklingen zu lassen.
Das Chapeau Rouge war auch die erste Satellitenstation der Vorpommerschen Landesbühne außerhalb der Kreisstadt Anklam. Von dort ist der Bazillus „Theater“ ausgebrochen, wie es Intendant Wolfgang Bordel passend formulierte. Das Theaterzelt war so etwas wie der Versuchsballon für die späteren Sommerspielstätten in Zinnowitz (Vineta-Freilichtbühne, Blechbüchse), Barth, Anklam („Die Peene brennt“) und dem „Deutschen Theater Peenemünde“, das demnächst in seine erste Spielzeit gehen wird. Als Eintagsfliege kommt dieses Jahr noch die Stadt Wolgast mit dem Historienspektakel „Liebe, Leid und Schwedengold“ anlässlich des 750-Jahrjubiläums dazu.
Ausgangspunkt für das „Vorpommersche Wandertheater“ war die Tatsache, dass Anfang der 1990er Jahre die Zuschauerzahlen im Stammtheater Anklam dramatisch zurückgingen und die Schließung drohte. Damals beschloss man, die heiligen Theaterferien im Juli und August zu opfern und stattdessen dorthin zu gehen, wo das potenzielle Publikum schon wartete – an die Ostsee. Die Idee mit dem Theaterzelt steuerte der zirkuserfahrene „Clown Jopi“ bei, der zu jener Zeit zum Ensemble der Vorpommerschen Landesbühne gehörte.
Das Chapeau Rouge hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. Wurden anfangs an den theaterfreien Abenden noch Filme gezeigt und teils skurrile Gastauftritte von internationalen Comedians präsentiert, so umfasst das diesjährige Programm, das am 25. Mai mit dem Schauspiel „Das Gespenst von Canterville“ begann und am 8. September mit der musikalischen Revue „Wer sich nicht wehrt, kommt an den Herd“ ausklingt, insgesamt 112 Veranstaltungen. Die reichen von Kabarett, Revue und Schauspiel über Kindertheater bis zum Puppen- und Mitmach-Theater. Gerade für die Kinder ist in den zurückliegenden Jahren ein Programmschwerpunkt geschaffen worden, den die Touristiker in Heringsdorf nicht mehr missen möchten.
Im Jubiläumsjahr präsentiert die Vorpommersche Landesbühne gleich zwei Premieren. Unter Federführung von Regisseur Jürgen Kern startet am 1. Juni die Kabarettrevue „Der Staat wird frisiert“. Der Spiritus Rector von „Klassik am Meer“ und Leiter der Theaterakademie Zinnowitz lässt darin einen Herrn mit blauem Hemd und gelbem Schlips, einen Herrn mit rotem Schal sowie zwei Damen, die eine im berühmten orangefarbenen Jäckchen, die andere im schwarzen Hosenanzug und mit Lesebrille, im Frisiersalon „Komm Hair“ zurechtmachen. Dabei legt er ihnen leicht frisierte Lieder und Balladen von Friedrich Hollaender, Kurt Tucholsky, Walter Kollo und Erich Kästner in den Mund, die dadurch eine unglaubliche Aktualität erhalten.
Die zweite Premiere wird am 16. Juni mit dem „Urfaust“ in der Inszenierung von Michael Gitter gefeiert. Der Regisseur hat dafür ein junges Ensemble ausgewählt, das mit aller „Energie und Leidenschaft, die drinsteckt“ das Werk des damals 23-jährigen Goethe umsetzen soll.
Die weiteren Sommerspielstätten der Vorpommerschen Landesbühne auf einen Blick:
Zinnowitz – Freilichtbühne:
Vom 28. Juni bis zum 1. September finden die Vineta-Festspiele mit dem Stück „Die Findlinge“ statt.
Zinnowitz – Gelbes Theater „Blechbüchse“:
Vom 1. Juli („Klazz meets the Voice) bis zum 2. September (Lesung mit Wladimir Kaminer) bietet das Gelbe Theater neben Repertoire-Vorstellungen der Vorpommerschen Landesbühne auch musikalische und literarische Gastspiele an.
Peenemünde – Historisch-Technisches Informationszentrum (HTI):
Vom 1. Juli bis zum 1. September erlebt das Deutsche Theater Peenemünde im HTI als neue Spielstätte seine Premiere. Das Deutsche Theater ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Theaterakademie Zinnowitz, dem Usedomer Musikfestival und dem HTI.
Barth – Freilichtbühne:
Ab 19. Juli wird dort die Klabautermanngeschichte „Barther Sommernachtstraum“ aufgeführt.
Anklam – Peeneufer:
Auf der Freilichtbühne am Peeneufer endet die Sommersaison mit dem Spektakel „Die Peene brennt“ (7.-15. September).
Das komplette Programm der Vorpommerschen Landesbühne Anklam ist im Internet unter www.vlb-anklam.de zu finden.