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Drahtseilakt in luftiger Höhe

Im Kletterwald Usedom ist Sicherheit oberstes Gebot

Insel Usedom. Es riecht nach feuchtem Waldboden. In der Ferne hämmert ein Specht. Frühling liegt in der Luft. Aus den Wipfeln der Baumkronen dringen Stimmen nach unten. Der Blick geht nach oben. Dort hängt Nicolas regelrecht in den Seilen. Seine Knie zittern, er traut sich keinen Schritt mehr weiter auf der Affenschaukel. Schnell sind Thomas und Marko zur Stelle, um den jungen Mann aus seiner prekären Lage zu befreien. Mit wenigen Handgriffen ist Nicolas gesichert und wird abgeseilt.
Die Rettungsaktion in acht Metern Höhe ist zum Glück nur gestellt. Aber sie gehört zur Grundausbildung der Mitarbeiter im neuen Kletterwald auf der Insel Usedom. „Sicherheit ist oberstes Gebot“, betont Gerold Vaske, der am letzten März-Wochenende seinen ersten Kletterwald am Forstamt Neu-Pudagla eröffnen wird.

„Ein optimaler Ort“, ist sich Vaske sicher. Denn die neue touristische Attraktion liegt auf halbem Weg zwischen Ahlbeck und Zinnowitz sowie in Fußentfernung zum größten Zeltplatz der Insel am Ückeritzer Strand.

Auf die Idee, einen Kletterwald zu errichten, kam Vaske bei einem Besuch mit seinen Kindern in einer ähnlichen Anlage in der Nähe seines niedersächsischen Heimatortes Lastrup. Beruflich auf Usedom tätig, hatte er schnell die Insel im Auge und bald einen Mitstreiter. Denn bei Forstamtsleiter Norbert Sündermann, der in Neu-Pudagla schon über mehrere naturkundliche Attraktionen verfügt, rannte er offene Türen ein. Schließlich konnte Sündermann in der Nähe die geeignete Waldfläche mit kräftigen, hohen Bäumen und die nötige Infrastruktur mit Parkplätzen, Toiletten sowie einem Wildspezialitäten-Imbiss anbieten.

Vom ersten Gespräch mit dem Forstmann bis zur Installation der 52 Kletterelemente dauerte es kein halbes Jahr. Dank des milden Winters gingen die Arbeiten, die von französischen Spezialisten ausgeführt wurden, rasch über die Bühne. Dem vorausgegangen waren Untersuchungen durch einen Baumgutacher, der jeden einzelnen Baum durchleuchtete.

Das Sicherheitskonzept bekommen auch die kletterwilligen Besucher zu spüren. Sie erhalten einen Klettergurt um die Hüfte, an dem sich zwei Seile mit Karabinern befinden sowie ein Gurt mit einer Laufrolle. Die werden in luftiger Höhe als doppelte Sicherung und zur schnellen Fortbewegung benötigt. Nach drei niedrigen Einweisungselementen geht es für die Klettergäste in steigenden Schwierigkeitsstufen bis in eine Höhe von 10 Meter hinauf.

Spaß, Fitness, Abenteuer und Risiko heißen die vier Strecken, auf denen von Baum zu Baum balanciert wird. Die Kletterelemente tragen Namen wie Nepalbrücke, Tarzansprung, Skateboard, Seilbahn und die besagte Affenschaukel.

Der 200.000 Euro teure Kletterwald Usedom wurde zu fünfzig Prozent vom Landesförderinstitut Mecklenburg-Vorpommern unterstützt, weil es sich um eine saisonverlängernde Maßnahme handelt und zudem auch von Behinderten benutzt werden kann.

Mit dem von Ende März bis Ende Oktober geöffneten Kletterparcours entstehen vier Vollzeitarbeitsplätze, die vier junge Männer von der Insel Usedom aus der Arbeitslosigkeit in Lohn und Brot bringen. Dazu kommen noch Aushilfskräfte für die Hochsaison. Vaske rechnet in der ersten Saison mit bis zu 25.000 Besuchern. In der Nebensaison setzt er vor allem auf Schulklassen und Jugendgruppen.

Weitere Infos: www.kletterwald-usedom.de.


eingereicht von : Dietmar Pühler am 20.03.2007, 12:05 Uhr


 
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