News

Bürgerinitiative gegen Kohlekraftwerk in Vorbereitung

Bürger und Verbände wehren sich gegen die Kraftwerkspläne in Lubmin

Zinnowitz. Rund dreißig Teilnehmer lockte am Samstag der dritte Stammtisch der AG 60+ in der Kreis-SPD zum geplanten Steinkohlekraftwerk in Lubmin ins Zinnowitzer Naturfreundehaus. Für eine kontroverse Diskussion sorgte das Ansinnen einiger Kraftwerksgegner, die zur Bündelung der Kräfte eine Bürgerinitiative (BI) ins Leben rufen wollen. Ausgerechnet Irene Raether, die für die SPD-Senioren zu den bisherigen Stammtischen über das brisante Thema einlud, wollte sich nicht mit der Idee einer Bürgerinitiative anfreunden.
Sie sorgte damit für Unverständnis selbst in den eigenen Reihen. Von verschiedenen Seiten wurde die Notwendigkeit eines parteiunabhängigen Bündnisses betont, wolle man möglichst weite Bevölkerungskreise für die Ziele der Bürgerinitiative gewinnen. Letztendlich gab es eine satte Mehrheit für die BI-Gründung, die von Vertretern der SPD, von Bündnis 90/Grünen und den Inselfreunden vorbereitet werden soll.

Nach Aussagen von Dr. Michael Drevlak von der BI „Zukunft Lubminer Heide“ sollen in Lubmin drei Kraftwerksblöcke mit einer Leistung von jeweils 800 MW errichtet werden. Das gehe aus den vom Vorhabenträger eingereichten Scoping-Unterlagen hervor. Für bedenklich hält Drevlak, dass darin nur ein Untersuchungsraum von 6,5 Kilometer um das Kraftwerk näher betrachtet wird. „Der Untersuchungsraum hört genau vor der Usedomer Küste auf. Ein Schelm, wer Böses denkt“, so der Lubminer.

Laut Drevlak handelt es sich bei dem geplanten Steinkohlekraftwerk um das mit Abstand größte Kraftwerk in Deutschland, für das weder vor Ort noch für den bundesweiten Stromverbrauch Bedarf bestehe. Seiner Einschätzung zufolge unterstütze die Landesregierung die Kraftwerkspläne des dänischen Konzerns DONG, um eine Rechtfertigung für das mit 40 Mio. Euro geförderte Hafenbecken zu bekommen. Die Scoping-Unterlagen verrieten auch, dass das Kühlwasser dem „relativ warmen“ Peenestrom entnommen werden soll. Das nährstoffreiche Kühlwasser würde dann mit plus 8 Grad Celsius in den Greifswalder Bodden entlassen.

Der Einladung nach Zinnowitz waren auch einige Bürgermeister und die beiden Amtsvorsteher Ewald Bluhm (Usedom Nord) und Karl-Heinz Schröder (Usedom Süd) gefolgt. Schröder kündigte an, dass für den 5. März im Kreistag eine Anhörung zum Steinkohlekraftwerk geplant ist. Sollte diese nicht zustande kommen, wolle er sich dafür stark machen, dass bereits am 28. Februar der Inselbeirat das Thema auf die Tagesordnung nimmt.

Irene Raether ließ unterdessen wissen, dass zum nächsten 60+-Stammtisch am 24. März ein Vertreter von DONG sein Kommen zugesagt habe. An diesem Tag soll auch die Gründung der BI formal vollzogen werden, so der mehrheitliche Wille. Zudem wurde mitgeteilt, dass auf den Anfang Januar in Umlauf gebrachten Listen schon mehr als Tausend Unterschriften zusammengetragen wurden. Auch viele Urlauber hätten Protestunterschriften geleistet, war von den Teilnehmern zu hören.



eingereicht von : Dietmar Pühler am 27.02.2007, 20:51 Uhr


 
Nur angemeldete Benutzer dürfen Kommentare verfassen. Zur Registrierung/Anmeldung