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Insel Usedom muss noch auf seine Radfahrerkapelle warten

Evangelische Kirchengemeinde Koserow plant Neubau in Ückeritz

Ückeritz/Insel Usedom. Die Gemeinde Ückeritz auf der Insel Usedom soll am Standort des baufälligen Vorgängerbaues eine neue Kapelle bekommen. Nach einer Ideenfindung des Koserower Gemeindekirchenrates, der für die Gemeinden der Inselmitte zuständig ist, soll der Neubau sowohl eine Ferienwohnung als auch eine Radfahrerkapelle beherbergen.
Doch das ist noch Zukunftsmusik, wie Koserows Pfarrer Winfried Wenzel jetzt wissen ließ. Denn er erhielt dieser Tage einen Anruf vom Konsistorium, bei dem ihm mitgeteilt wurde, dass es in der Landeskirche einen grundsätzlichen Baustopp gebe. Mittelfristig wolle man das Ziel aber realisieren, so Wenzel.

Schon seit einer Weile ist der 1959 errichtete hölzerne Flachbau nicht mehr nutzbar. Das Dach ist undicht, aber laut Konsistorium kommt eine Sanierung nicht mehr in Frage. So kam es zu den Überlegungen, was mit der Liegenschaft der Kirchengemeinde geschehen soll. Die hat schon des Öfteren Begehrlichkeiten für eine profane Nutzung geweckt, bietet sie doch eine schöne Aussicht über das alte Dorf hinweg auf das Achterwasser. Doch eine Veräußerung des Grundstücks stand nicht zur Debatte. Vielmehr soll „der schöne Platz mit wunderbarer Aussicht“, so Wenzel, „als Ort der Kirche bewahrt werden“. Orte der Stille würden mehr denn je benötigt, ist er sich sicher.

Nun soll als erstes ein Architekt zeigen, was auf dem Hügel in der Ückeritzer Feldstraße möglich ist. Danach könne man sich unabhängig vom derzeitigen Stoppsignal seitens der Landeskirche um die Finanzierung kümmern. Wenzel hofft, den Neubau auch über diverse Spenden und Stiftungsmittel realisieren zu können. Die Planungen für die Einweihung der Radfahrerkapelle gehen in Richtung 2009, das wäre dann genau ein halbes Jahrhundert nach dem Bau der alten Kapelle.

Die wurde wie auch die Zempiner Kapelle in einer Zeit errichtet, als der vom FDGB organisierte Tourismus in der Inselmitte stark zunahm. Während der Saison fanden dort sowohl Gottesdienste als auch Konzerte statt. Allerdings seien die Gottesdienste in Ückeritz, anders als in Zempin, eher dürftig besucht gewesen. „Die Ückeritzer fahren lieber in eine richtige Kirche“, schätzt Wenzel ein. Das mag auch an der Tradition liegen, denn die Dorfkirche Koserow war schon immer Zentralkirche für die Orte zwischen Zempin und Ückeritz.

Das Koserower Gotteshaus wiederum ist bei den Urlaubern ein beliebtes Ziel, ist es doch das älteste an der Usedomer Außenküste und in der Nähe des stark frequentierten Ostseeradfernweges gelegen.

Ohne als solche deklariert zu sein, räumt Pfarrer Wenzel ein, sei die Koserower bereits jetzt eine regelrechte Radfahrerkirche. Der Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert ist von Juni bis September geöffnet und wegen des kostbaren Kircheninneren dann auch stets betreut. In diese Aufgabe teilten sich im vergangenen Jahr Ein-Euro-Jobber, viele Ehrenamtliche, Kurprediger, die Katechetin und Pfarrer Wenzel selbst.

„Hier kommen viele Radfahrer und Gruppen vorbei. Wir helfen nach Kräften, wenn sie Probleme haben. Wir haben auch Werkzeug da“, berichtet Wenzel. Dennoch habe es noch keine Überlegungen im Gemeindekirchenrat gegeben, diese zu einer Radfahrerkirche zu küren. Das soll Wenzel zu Folge wegen der schönen Aussicht der Ückeritzer Kapelle vorbehalten bleiben.

Hintergrund: Radfahrerkirchen in Deutschland

Die Zahl der Radfahrerkirchen in Deutschland nimmt stetig zu. Als erste wurde im Juli 2003 die Radfahrerkirche Weßnig am Elberadwanderweg ins Leben gerufen, nachdem zwei Jahre zuvor in Reinhardsbrunn am Rennsteig (Thüringen) die erste Radfahrerkapelle eingeweiht wurde. Die ebenfalls in Sachsen gelegene Radfahrkirche Wehlen (Eröffnung: April 2004) verzeichnet während der Radelsaison nach eigenen Angaben wöchentlich 2.000 Besucher. Im Juni 2006 öffnete die Kirche in Pantlitz (Nordvorpommern) als erste Radfahrerkirche in Mecklenburg-Vorpommern ihre Pforten.

Derzeit gibt es noch keine Qualitätskriterien für Radfahrerkirchen, doch viele Gemeinsamkeiten. Sie wollen Orte der Ruhe (Raum der Stille), Rast (Garten zum Ausruhen) und Andacht (Radfahrer-Gottesdienste, Kinderbibeln zum Vorlesen, Angebote für Seelsorgegespräche) sein. Weltliche Serviceleistungen gehören aber auch dazu: Ausstellungen zu Natur und Nachhaltigkeit, Werkzeug und Luftpumpe sowie Radwanderkarten finden sich genau so in den Radfahrerkirchen zwischen Donau und Ostsee, wie radtouristische Veranstaltungen.


eingereicht von : Dietmar Pühler am 18.02.2007, 10:40 Uhr


 
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