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Baltic Fashion Award wird zum Nachwuchs-Modepreis

Geteiltes Echo zur Jubiläumsgala im Heringsdorfer Kursaal

Seebad Heringsdorf. Am Samstagabend wurde zum bereits fünften Mal der Baltic Fashion Award auf Usedom verliehen. Von Routine allerdings keine Spur, denn mit Spannung wurde die erste Modeveranstaltung nach der Ära des „Heringsdorf goes fashion“-Begründers Karl von der Ahe erwartet. Erstmals zeichnete die Berliner Agentur Acksteiner Events mit ihrem künstlerischen Leiter Andrej Subarew für die Preisgala verantwortlich.
Den neuen Organisatoren gelang es auf Anhieb, große Namen zu verpflichten. Mit dem ESCADA-Gründer Wolfgang Ley als Jury-Vorsitzenden konnten sie einen unbestrittenen Fachmann an die Ostseeküste holen. Der machte auch gleich deutlich, dass die Show auf Usedom jungen aufstrebenden Designern aus dem Ostseeraum eine Bühne bieten soll. Er, der sich vom Schichtarbeiter zum Modezaren hochgearbeitet habe, wolle gerade den zahlreichen Talenten aus dem Baltikum und Russland eine Chance geben. Dort gebe es keine Modeschulen und es sei schwer für die jungen Leute, an gute Stoffe heranzukommen, da sie kein Geld hätten.

Zugleich dämpfte Ley die Erwartungshaltung des Publikums: „Erwarten Sie nicht, dass hier eine Show kommt wie in Paris. Das sind ganz authentische Sachen, die die Models Ihnen vorstellen werden.“ Für viele sei das Preisgeld von je 7.500 Euro in den drei Kategorien Prêt-À-Porter, Avantgarde und Couture „verdammt viel Geld“. „Wer in zehn Jahren ein Karl Lagerfeld oder eine Donna Karan sein wird, ist heute vielleicht dabei“, so der Creative Chairman der ESCADA-Gruppe.

Die neun nominierten DesignerInnen und Labels eint, dass sie noch sehr jung und neu am Markt sind. So ließen die beiden Moderatorinnen Gerit Kling und Andrea Lüdke in ihrer verspielten Anmoderation auf dem Balkon über der Kursaal-Bühne anklingen, dass der Baltic Fashion Award das Sprungbrett zu einer großen Karriere und zum „Mode-Oskar“ sein kann.

Und wie bei der großen Oskar-Verleihung in Hollywood hieß es auch in Heringsdorf nach der zweistündigen Show am späten Samstagabend dreimal „And the winner is …“:

- Anja Rüger und Irina Sowitzki mit ihrer Kollektion „Das Leben ist (k)ein Ponyhof“ in der Kategorie Prêt-À-Porter.
Die beiden Berlinerinnen sind Absolventinnen der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Die Anregung für ihren Titel kam von einem Spontispruch auf einer Hauswand vor ihrem Atelier im Friedrichshain. Die Kollektion nimmt Kindheitserinnerungen und den Lebensraum einer Großstadt auf. Sie besticht durch leuchtende Farben, witzige Formen und vielgestaltige Ausführungen.

- Mischa Woeste mit ihrer Kollektion „Sunny side up“ in der Kategorie Avantgarde.
Die 27-jährige absolvierte ihre Ausbildung an der ESMOD-Schule in Berlin. Ihre bedruckten, an Patchwork erinnernden Textilien bestechen durch eine farbenfrohe Luftigkeit. Sascha Woeste holt sich ihre Inspirationen bei Auslandsreisen, wo sie sich landestypische Textilien und deren traditionelle Bearbeitung anschaut.

- Sven Sobiechowski mit seiner Kollektion „Reclaim the sky“ in der Kategorie Couture.
Wie ESCADA-Chef Ley gilt Sven Sobiechowski als Self-Made-Man. So lautet sein Motto auch: Learning by doing. Seine Design-Fähigkeiten erwarb er durch Praktika und Projekte. Er ist von allen neun Teilnehmern in Heringsdorf am längsten im Geschäft. Sein Label „Kinky Beaulinky“ gründete er vor fünf Jahren. In seiner Kollektion vermischen sich traditionelle und moderne Elemente, Romantik und gegenwärtiger Zeitgeist.

Quasi als Bestätigung des Jury-Urteils konnte Sobiechowski auch den Publikumspreis des Baltic Fashion Award, einen Kaiserbäderring aus dem Hause Niessing, Hamburg, einheimsen.

Die Reaktionen nach der Jubiläumsgala waren sehr geteilt. Bert Balke, neuer Geschäftsführer der Usedom Touristik GmbH, zeigte sich erleichtert darüber, dass im Gegensatz zu früheren Jahren die ganze Organisation professionell und reibungslos gewesen sei. Auch Dr. Friedhelm Acksteiner war mit dem Ablauf zufrieden. Mit Stolz verwies er auf das Engagement von Wolfgang Ley und die hochkarätig besetzte Jury, in der auch das wichtigste Modemagazin VOGUE vertreten war sowie auf das umfangreiche Begleitprogramm mit Workshops, Ausstellungen und Designergesprächen.

Etwas kritischer sahen einige Modeexperten und erfahrene Fashion-Besucher die Shows am Freitag und Samstag. So waren zwei Damen mit den Models auf dem Catwalk nicht zufrieden, weil diese entweder zu wenige Emotionen zeigten oder sie deren Model-Idealvorstellungen „hübsch, schlank und hochbeinig“ nicht entsprachen. Zudem sei eine klare Unterscheidung der drei Kategorien nicht immer deutlich gewesen. Avantgarde-Siegerin Mischa Woeste hätte, so eine Fachbesucherin, auch unter Prêt-À-Porter an den Start gehen können. Bedauert wurde zudem, dass der Haute-Couture-Preis jetzt nur noch ein Couture-Award sei.


eingereicht von : Dietmar Pühler am 30.10.2006, 13:20 Uhr


 
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