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Carola Sterns Nachlass findet Obhut in Bansin

Bansin. Der Nachlass der im Januar verstorbenen Publizistin Carola Stern ist seit Freitagabend im Bansiner Hans-Werner-Richter-Haus für die Öffentlichkeit zugänglich. Martin Bartels, der frühere Pastor von Benz, stellte ihre Berliner Bibliothek, den Schreibtisch aus ihrem Balmer Ferienhaus sowie viele Erinnerungsstücke vor.
Damit endete das jahrelange Trauerspiel mit ihrem Geburtsort Ahlbeck, dessen Gemeindevertretung es abgelehnt hatte, ihrem Nachlass eine Obhut zu bieten. Verbittert habe dies Carola Stern zu Lebzeiten zur Kenntnis genommen, so Bartels, der engen Kontakt zu Stern und ihrem vor sechs Jahren verstorbenen Ehemann Heinz Zöger pflegte. Bartels hatte Anfang Februar auf Wunsch der Verstorbenen deren Urne in aller Stille an der Seite ihres Mannes auf dem Benzer Friedhof beigesetzt.

Dass Carola Stern bei Hans-Werner Richter Asyl fand, ist in gewisser Hinsicht konsequent, denn beide verband schon zu Lebzeiten viel. Otto Simon aus Korswandt, der sich als ehemaliger Pastor von Zirchow um die Interessengemeinschaft Gedenkstätte Golm verdient gemacht hat, formulierte es treffend: „Hier gehört sie hin.“ Es sei das Verdienst der stellvertretenden Kurdirektorin Dr. Karin Lehmann, „dass es hier geklappt hat“, fügte Bartels hinzu. Sie habe sich dafür eingesetzt, dass das Hans-Werner-Richter-Haus zu einem „pulsierenden Literaturzentrum“ werde.

Bartels führte die rund 40 Besucher durch das Haus. Im Erdgeschoss erläuterte er die neu eingerichtete „Carola-Stern-Ecke“, bestehend aus drei Regalreihen, dem Schreibtisch und ihrer Olympus-Schreibmaschine. Persönliche Fotos, Videomitschnitte, Auszeichnungen wie die Carl-von-Ossietzky-Medaille von 1972 und Schriftdokumente ergänzen die kleine Sammlung.

Mit großem Bedauern nahmen die Gäste zur Kenntnis, dass der Großteil der ursprünglichen Bibliothek an ein Antiquariat ging. Als Carola Stern nach dem Tod von Heinz Zöger die Berliner Wohnung aufgab und in ein Altersheim zog, habe sie Zweidrittel ihrer Bibliothek weggeben müssen, erklärte Bartels. Das hätte vermieden werden können, wenn sich die Gemeinde Ahlbeck versöhnlicher gezeigt hätte.

Im Hans-Werner-Richter-Haus sind aber immerhin ihre wichtigsten Bücher gelandet. Schließlich hatte sie die Auswahl, in der sich unter anderem Werke von Christa Wolf und Theodor Fontane befinden, selbst getroffen.

Was Fontane betrifft, lässt sich vermuten, dass sie mit ihm noch etwas vorhatte. Das ließ Martin Bartels in seinem Vortrag zu Sterns Leben und Werk durchblicken: „Sie wollte noch über die Bleichröders schreiben und zu Fontane hat sie ein Buch begonnen“. Dieses soll noch von Sterns langjährigen Lektorin veröffentlicht werden, informierte Bartels.


eingereicht von : Dietmar Pühler am 02.04.2006, 11:36 Uhr


 
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