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Zeesenboot-Romantik auf dem Stettiner Haff

Usedom. Die Inselstadt Usedom kennen die meisten Touristen nur als Durchgangsstation, nicht ahnend, dass sie so manchen Geheimtipp bereit hält. Einer davon ist am Hafen zu finden. Dort liegt versteckt die „Romantik“, ein gut erhaltenes Zeesenboot.
Geduldig warten davor vier Familien auf die nächste Tour und die Kapitänin Rika Harder aus Mönkebude. Am späten Nachmittag steht eine kurze Ausfahrt an. Anderthalb Stunden, das reicht für eine Runde durch den Usedomer See und eine Stippvisite ins Stettiner Haff.

Bevor die Urlauber das Zeesenboot betreten, hisst Rika Harder das Hauptsegel am zwölf Meter hohen Mast. Segeln ist Handarbeit. Das merken bald auch die Kinder und Erwachsenen an Bord, denn sie dürfen mithelfen. Die ersten Meter werden allerdings mit Hilfe des Dieselmotors zurückgelegt, bis das Boot im freien Wasser mit vollem Großsegel Fahrt aufnimmt.

Rika Harder erzählt, dass es heute noch rund neunzig Zeesenboote gibt, die einstmals für die flachen pommerschen Gewässer so typisch waren. Als Fischerboote spielen sie allerdings schon seit Jahrzehnten keine Rolle mehr. Denn das Zeesenfischen sei wegen der Schleppnetze verboten worden, erläutert Rika Harder, während sie auf den langen Klüverbaum am Bug zeigt. An diesem befestigten die Fischer das eine Ende der Zeese, wie das sackförmige Schleppnetz genannt wurde, das andere am heckseitigen Driftbaum. Die flachen Zeesenboote trieben dann quer zum Wind über die flachen Boddengewässer und fischten den Boden ab.

Die „Romantik“ ist eines der letzten gebauten Zeesenboote. Der elf Meter lange und vier Meter breite Arbeitssegler lief vom Stapel. Rika Harders Vater Wilhelm kaufte das Boot 1972.

Die Ausflugsfahrten bietet sie mittlerweile seit acht Jahren an, doch der Ausblick über das Haff lassen sie immer wieder von Neuem schwärmen. Schon ist es Zeit, umzukehren. „Wir brauchen jetzt das Schwert für den Hoch-am-Wind-Kurs“, erklärt die Seglerin. Die „Romantik“ gleitet still aber geschwind dahin und erreicht nach gut zwei Stunden den Usedomer Hafen. Alle sind begeistert und zahlen großzügig ihren Obolus für den kurzweiligen Segeltörn.


eingereicht von : Dietmar Pühler am 10.08.2005, 21:05 Uhr


 
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