News

Ein Mexikaner in Wolgast

Wolgast - Für Daniel Torres war die Weihnachtszeit dieses Mal etwas ganz Besonderes. Als Austauschschüler von Rotary International verbrachte der Mexikaner sein letztes Schuljahr in Wolgast. Doch schon beim tränenreichen Abschied im Sommer 2004 war für ihn klar: „Ich besuche euch so bald wie möglich!“
Am 15. Dezember 2004 war es dann auch endlich soweit: Er kam zurück nach Wolgast und hatte ganze drei Wochen Zeit, um alle Freunde und vor allem seine Gasteltern und Gastgeschwister wieder zu sehen, die während des Austauschjahres zu einem Teil seiner Familie geworden sind. Denn obwohl der fröhliche Mittelamerikaner seine Eltern und Geschwister aus Mexiko vermisst, ist er sehr glücklich, wieder hier sein zu können.
„Am schönsten wäre es, wenn meine beiden Familien in einem Land sein würden“, meint er. Familie Kischko hat ihm hier in Wolgast ein zweites Zuhause gegeben und auch sein gastgebender Club, der Rotary Club Usedom, war ihm eine große Hilfe bei größeren und kleineren Problemen, wie etwa einem verloren gegangenen Koffer.
Erst auf Einladung seines Clubs in Mexiko kam er auf die Idee, sich als Austauschschüler zu bewerben. Den Rotary Clubs in aller Welt ist es wichtig, dass junge Menschen fremde Kulturen kennen lernen und so die internationale Verständigung verbessern. Deshalb hat Rotary es sich neben anderen gemeinnützigen Projekten zur Aufgabe gemacht, Jugendlichen ein Austauschjahr zu ermöglichen, ohne dafür große Summen einzufordern.
Auch Daniels Geschwister konnten sich auf diesem Wege den Traum von einem Schuljahr im Ausland erfüllen und haben dabei sehr gute Erfahrungen gemacht. So hat auch er nicht lange gezögert und sich möglichst schnell um einen Austauschplatz beworben. Als er dann am 1. September 2003 in Berlin ankam, war „Austauschschüler“ das einzig ihm bekannte deutsche Wort.
Deshalb fiel es ihm in der Anfangszeit leichter, sich auf Englisch oder mit Händen und Füßen zu verständigen. Doch inzwischen spricht der 19-Jährige fließend Deutsch und hat es durch den starken Kontakt zu seiner Gastfamilie und seinen Freunden in Deutschland auch in Mexiko nicht verlernt. Vor allem die deutsche Grammatik war anfangs sehr schwer zu erlernen, doch nach etwa drei Monaten des Übens war auch diese Hürde erfolgreich genommen. Bei Treffen mit Austauschschülern der anderen deutschen Clubs innerhalb eines so genannten Distrikts lernte er zudem Jugendliche aus 16 anderen Ländern, wie Japan, Argentinien oder auch Namibia kennen.
Mit ihnen zusammen nahm der reiselustige Mexikaner an einer von Rotary organisierten Europa-Rundreise teil, bei der es mit einem Bus quer durch Länder wie Tschechien, Italien, Spanien und natürlich Deutschland ging. Auf diese Weise hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, bekannte Städte wie Prag, Wien oder München zu besichtigen und sich untereinander besser kennen zu lernen.
So ist es nicht verwunderlich, dass der sympathische Mittelamerikaner auch unter den Austauschschülern viele Freunde gefunden hat, mit denen er sich nun regelmäßig E-Mails schreiben und Erfahrungen austauschen kann. Davon hat er während seines einjährigen Aufenthaltes genügend gesammelt, denn vieles, wie etwa die Architektur oder das Essen, ist völlig anders als in Mexiko. Besonders die Menschen gefallen ihm an Deutschland und dass es „ganz, ganz leicht“ war, hier neue Freunde zu finden.
Bei seinem dreiwöchigen Besuch über den Jahreswechsel in Wolgast fühlte Daniel sich gleich wieder wie zu Hause, da sich „nichts verändert hat“. Wenn er heute wieder abreist, betritt er den Flieger mit dem Trost auf einen nächsten Besuch in seiner zweiten Heimat, der hoffentlich nicht zu lange auf sich warten lässt.

erschienen auch in der Ostseezeitung vom 05. Jan. 2005 Anja Lerch unter dem Titel:
Wolgast wurde für Daniel zweite Heimat
Einen Jahreswechsel in ungewohnter Umgebung erlebte jetzt der Mexikaner Daniel Torres – er war wieder in Wolgast zu Gast.


eingereicht von : Admin am 12.02.2005, 12:30 Uhr

Notes


 
Nur angemeldete Benutzer dürfen Kommentare verfassen. Zur Registrierung/Anmeldung