News

Konstantin Wecker feierte zum zweiten Mal auf Usedom Premiere

Erstes DDR-Konzert fand 1985 in Benzer Kirche statt

Zinnowitz. Neunzehn Jahre liegen zwischen Weckers erstem Auftritt auf dem Boden der einstigen DDR und seiner kürzlichen Programmpremiere „Ich gestatte mir Revolte“ im Zinnowitzer Theater „Die Blechbüchse“. Viel ist passiert in den Jahren dazwischen. Der real existierende Sozialismus verschwand von der mitteleuropäischen Bühne und auch Konstantin Wecker drohte nach seinen Kokain-Exzessen ein ähnliches Schicksal.

Doch anders als der Sozialismus kam der bayrische Liedermacher nach seiner Krise Mitte der Neunziger zurück auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Konstantin Wecker, der 1977 mit seiner Ballade „Willi“ den Durchbruch schaffte, zählt seit dreißig Jahren zu den ausdrucksstärksten politischen Sängern Deutschlands. Wecker galt in den Achtzigern als der musikalische Frontman der Antiatom- und Friedensbewegung.

1985 war das Jahr, in dem Michail Gorbatschow die politische Weltbühne betrat, sich das Klima zwischen Ost und West entspannte und sich dem Liedermacher Wecker auf Einladung des damaligen Benzer Pastors Martin Bartels die Gelegenheit bot, erstmals im anderen Deutschland aufzutreten.

Vom Rat des Kreises Wolgast genehmigt, trat Wecker vor 700 begeisterten Menschen in der völlig überfüllten Dorfkirche auf. Für den Politsänger war es der Startschuss für mehrere DDR-Tourneen in den Folgejahren.

In Zinnowitz traf sich Konstantin Wecker nach seinem Konzert am 11. November mit Dozenten und Studenten der Theaterakademie zu einem Seminar, in dem er den Eleven Einblicke in sein Künstler- und Seelenleben gestattete. Heute gibt der 57-jährige zu, „in meinen Liedern war ich klüger, als in meinem Leben“. „Den Widerspruch habe ich gesehen, konnte ihn aber nicht beheben“, so Wecker.

Dann beschreibt er seinen „systematischen Selbstmord“, als er anfing sich musikalisch zu kopieren und zu einem „gesellschaftlichen Idioten“ zu werden. Kokain war für ihn zunächst der Versuch, mehr zu machen, ganz nach dem Motto eines seiner bekanntesten Lieder „Genug ist nicht genug, genug kann nie genügen“.

Heute lautet sein Credo: „Wir müssen Räume der Stille schaffen“, um sich gegenüber den allgegenwärtigen Werbebotschaften und einer belanglosen Unterhaltungs- und Quotenmusik abzuschotten. „Ohne neue Spiritualität kann keine neue andere Welt geschaffen werden“ ist eine weitere Erkenntnis des Musikers. Ja, er sei radikaler geworden im Alter, unterstrich er vor seinen jungen Zuhörern, denen er bescheinigte, dass sie als „Post-Golf-Generation“ wieder kritischer denken würden. Das mache ihm Mut.


eingereicht von : Dietmar Pühler am 02.12.2004, 14:47 Uhr


 
Nur angemeldete Benutzer dürfen Kommentare verfassen. Zur Registrierung/Anmeldung